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Vergleich
Die Skulptur von Michael Sailsdorfer am Eurobahnhof, dessen Arbeiten ich in aller Regel sehr schäzte, verliert momentan eindeutig gegen den Treppenhausturm des im Bau befindlichen Parkauses. Zumindest aus dieser Perspektive. Ich wünschte mir, der Treppenhausturm verbliebe mangels Geld des Investors in genau diesem Zustand. Herrlich!
Kunstding
Ich kokettiere gerne.
Oft sage ich: „Ich bin kein Künstler. Ich bin Maler.“ Das trifft den Nagel eher auf den Kopf.
Eigentlich ist es mir auch egal, was ich bin. Ich definiere mich über das, was ich tue.
Malen. Zeichnen.
Mein Leben lang malte & zeichnete ich. Das mag ein Fehler gewesen sein. Ich wollte nie Künstler werden. Im Gegensatz zu den meisten meiner Zeitgenossen, die als Kinder bestimmt genauso viel oder so wenig malerten wie ich, hörte ich eben damit nie auf. Bis zum heutigen Tag. So einfach ist das.
Als ich mit dem Studium der Malerei begann, hatte ich keine Vorstellung vom „Beruf“ des Künstlers. Möglicherweise habe ich auch noch heute keine Vorstellung. An der Hochschule hatten viele Kommilitonen Vorstellungen. Nicht alle betreiben heute noch die Kunst.
Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich eher meine Zeit mit umständlichen Vorbereitungen vertrödele. Mit umständlichen Vorbereitungen auf ein Künstlerleben. Ich habe das Gefühl, permanent in den Startlöchern zu stehen. Wie auch immer dieses Leben dann auch aussehen mag.
Malgründe vorbereiten, Bleistifte spitzen, Farben anrühren – alles nur Vorbereitungen. Und wenn ein Bild fertig ist, bereitest Du eine Ausstellung vor. Aber Bilder werden ja nie fertig. Das habe ich auch gelernt. Das ewige Bild.
Ich bin anspruchslos. Gebt mir Raum, Zeit, Papier & Bleistift & lasst mich ansonsten in Ruhe!
Ich liebe Actionfilme. Ich lese gerne Krimis. Ich habe einen Hang zu Profanem & Banalem. Viele meiner Freunde, Bekannten oder Verwandten sind weder Künstler, noch an Kunst interessiert. Geschweige denn würden sie Kunst kaufen. Ein ehemaliger Freund war Autoverkäufer. Ich habe niemals ein Auto bei ihm gekauft.
Ich mag Ballett. Und die Musik von Shostakovich – den verehre ich sehr. Vor allem seine Streichquartette. Unglaubliche Musik!
Überhaupt kam ich sehr spät mit der zeitgenössischen Kunst in Berührung. Ich klebte ja sehr lange an Surrealismus, Impressionismus & – wie man so schön sagt – den alten Meistern. Und nun stecke ich mittendrin.
Schon seltsam.
Relevanz
Die Saar bei Grosbliederstroff (Foto vom 3. Oktober 2013)
„Mich interessiert: die Abbildung der Welt. Die Frage, die mich beschäftigt, lautet: Wie sieht die Welt aus …“ sagt David Hockney in einem Interview in der Zeit.
Auch ich beobachte die Welt, die sogenannte „Realität“. Oder das, was ich dafür halte. Malerei ist für mich ein Vehikel, mit dem ich die Welt entdecke. Ich sehe und beobachte die Welt, & diese Beobachtungen filtere und transformiere ich über die Malerei. Malerei ist ein Prozess, bei dem ich mich zwischen dem Gegenstand und dem Bild des Gegenstandes bewege. Das Bild ist kein Abbild einer Realität, sondern ein aus dem Prozess wachsendes, gestaltendes, Gestalt gebendes Ding. Etwas für mich gänzlich Neues, Überraschendes – im Idealfall.
Ich male, um mehr über die Welt und über mich selbst zu erfahren. Meine Bilder geben dem Betrachter die Möglichkeit eines Einblickes, wie ich die Welt wahrnehme und über sie denke – gleichzeitig geben sie ihm eine Möglichkeit, sich selbst wahrzunehmen. Der räumliche & zeitliche Kontext, in dem eine künstlerische Arbeit gezeigt wird, ist dabei nicht unwichtig. Unterschiedliche Räume & Zeiten können die Intentionen & Sichtweise & Wirkung einer Arbeit beeinflussen, ja vielleicht sogar völlig verändern.
Ich flüchte nicht aus der Realität, sondern ich untersuche & beobachte einen Teil meiner Realität. Diese Untersuchungen & Beobachtungen sind persönlicher Natur, & ich hoffe, dass sie auch für den geneigten Betrachter von Interesse & einer gewissen Relevanz sind. Mir ist bewusst, dass meine Arbeit nur wenig Menschen erreicht – der „Wirkungsgrad“ ist wahrscheinlich eher bescheiden. Kunst, beziehungsweise die Beschäftigung mit Kunst ist nach wie vor ein Privileg. Dem Großteil der Menschen fallen zu diesem Thema sowieso nur die obszönen Preisrekorde ein, die Bilder von lebenden oder toten Malern auf Auktionen erzielen.
Mit einiger Sicherheit kann ich sagen, dass sich meine künstlerische Arbeit auf mein und mein Leben auswirkt. Sie beeinflusst die Art und Weise, wie ich über viele Dinge denke und wie ich handele. Als Maler schlägst Du morgens die Augen auf und siehst Bilder. In der Nacht träumst Du von und in Bildern. Das hat einfach Auswirkungen.
Sind meine Untersuchungen relevant? Politisch? Teil eines gesellschaftlichen Prozesses?
Auf diese Fragen gibt es keine messbaren Antworten gibt. Diese Fragen bewegen mich auch nicht. Ich tue das, was ich tue, weil ich es tue.
Die Beschäftigung mit Kunst und das Nachdenken über Kunst aber sind leider oft elitäre und privilegierte Angelegenheit und dienen in aller Regel oft nur der Aufhübschung des Alltags.
Künstlerische Freiheit ist etwas sehr Schönes. Wird aber aus meiner Sicht oft missverstanden. Verantwortung für mein Tun und Handeln trage ich zuerst immer als Mensch. Der Mensch ist nicht vom Künstler zu trennen. Oder doch? Aber das ist eine andere Frage.
Ich kann mich während des Malens vergessen. Während der Malerei, während der Arbeit, bin ich auf mich selbst zurückgeworfen. Es ist niemand da, der mich unterstützt oder mir eine Alternative zeigt, wenn die Arbeit stockt. Ich mache alles mit mir aus.
Bilder haben in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt – nicht nur meine eigenen Bilder, sondern vor allem Bilder von anderen. Gemälde, Zeichnungen, auch Fotografien & Filme. Ich war immer bildergeil. Überhaupt, ich könnte mein Leben mit dem Betrachten von Bildern verbringen. Mit dem Beobachten. Ein Leben lang einfach nur gucken. Malen & Zeichnen sind für mich einfach nur logische Konsequenzen des Guckens.
„Alles Beobachten ist auch Erfinden“, sagt Rudolf Arnheim.
Eigentlich möchte ich ja nur in aller Bescheidenheit arbeiten. Tatsächlich war mir die Wirkung meiner Bilder auf andere Menschen immer egal. Während des Malens klammere ich diesen Gedanken aus. Interessiert mich nicht, hat mich nie interessiert. Trotzdem kann ein Bild in einer Ausstellung wichtig für einen Betrachter sein. Relevant. Der Grund für diese Bedeutung muss nicht mit meinen Intentionen zusammenhängen. Es kann ein Gefühl sein, eine Emotion, die ich wecke. Vielleicht ist es auch ein Farbklang im Bild, eine figürliche Konstellation, die jemanden berührt.
Natürlich frage ich mich, ob meine Arbeit „Qualität“ hat, ob sie „trägt“ (wie mein Prof. an der HBKsaar immer zu sagen pflegte). Gelegentlich gibt es auch eine Rückmeldungen. Am Ende bin ich wieder auf mich selbst zurückgeworfen. Allein im Atelier. Ein kleiner Rest Zweifel bleibt.
Reaktionen auf meine Arbeiten sind herzlich willkommen. Falls meine Bilder eine Wirkung auf Betrachter haben, um so schöner. Aber das ist meine Motivation. Die meisten Menschen sehen sich Bilder in meinen Ausstellungen an, & ich bin ja nicht permanent in meinen Ausstellungen. Höchstens mal zur Vernissage bin ich anwesend. Da gibt es natürlich überwiegend positives Feedback; die meisten Menschen sind ja höflich. Wenn man Menschen in Ausstellungen beobachtet, tuscheln sie oft. Ich glaube, für die Künstler verheißt das nicht immer Gutes. Kritisches und Konstruktives gibt es manchmal von geschätzten Kollegen. Gelegentlich fordere ich das auch ein. Das sind dann oft fruchtbare Gespräche und Diskussionen.
Ich habe übrigens weder Sendungsbewusstsein noch will ich die Welt missionieren.
Meine Bilder sollen für sich stehen. So wie Bäume in einer grünen Wiese.
Über die kann man auch nachdenken. Muss man aber nicht.
Armin Rohr, Oktober 2013
Mann mit Hund
Spaziergänge sind Arbeit, Arbeit ist inspirierend.
Heute spazierte ich in der Gegend um den Tabaksweiher, wo ich diesen Mann mit dem Hund traf. Manchmal ist es tatsächlich so, wie Herr Picasso angeblich einst gesagt haben soll: „Ich suche nicht, ich finde.“ Aber bei mir ist das in aller Regel umgekehrt. Ich finde nicht, ich suche.
Ich suche, um etwas zu finden, was ich untersuche, um etwas herauszufinden.
Meistens finde ich dann etwas, aber es ist wie mit dem verdammten Higgs-Boson: Es durchzuckt mich wie ein Blitz & dann ist es wieder weg.
Zwei Ereignisse mit Licht
25. April 21013, 18:48:28 Uhr. Museum Haus Ludwig, Saarlouis (Im Hintergrund eine Arbeiten der von mir sehr geschätzten Kollegin Andrea Neumann).
26. April 2013, 17:08:45, Saarbrücken Rodenhof.
Nicht abwegig: Letzten Mittwoch
Ohne Titel, 2012
Verschütteter Rotwein („Dripping“) auf Papiertischdecke,
sich selbst organisierende Malerei
Letzten Mittwoch während der Ausstellungseröffnung von Klaus Geigle im Saarländischen Künstlerhaus.
„Terraforming“
Die Malerei von Klaus Geigle ist unglaublich gut. Einfach lecker. Hingehen & sich delektieren!
Übergänge
Übergänge gestalten sich schwierig. Zumal, wenn es sich um eine Ankündigung von solcher Tragweite handelt:
“Ab Freitag, dem 7. Dezember 2012, male ich abstrakt.“
Das ist der Plan.“
Der 7. Dezember war gestern.
Frühling. Scheint mir die bessere Jahreszeit, den Plan in die Tat umzusetzen. Der Vierte Pavillon wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Im Übrigen: „abstrakt“ ist ein weites Feld. Ich streiche „abstrakt“ & setze „ungegenständlich.
Norden
Noch zwei Tage läuft meine Ausstellung im Kunstverein Norden. Die Zeit während des Aufbaus habe ich sehr genossen & das nicht nur, weil das Meer so nahe ist.
Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid. Ich will Euch erquicken!
Nachtrag: Meine Rede in Norden
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie zu meiner Ausstellung hier in den Räumen der KVHS
Norden.
Mein ganz besonderer Dank gilt Herrn Wolff für die Einladung des Kunstvereins Norden & den herzlichen Empfang sowie die Unterstützung während der Vorbereitung zu der Ausstellung.
In der Einladungskarte zur Ausstellung steht:
Einführung: der Künstler selbst …
Verehrte Gäste, was erzählt ein Maler, wenn er etwas über seine Bilder erzählt? Weiß ein Maler mehr über seine Bilder zu erzählen als ein Wissenschaftler, Kunsthistoriker oder Betrachter? Hat ein Maler weniger Fragen an seine Bilder? Hat ein Maler etwa die Antworten auf alle Fragen?
Die Bilder die Sie, liebes Publikum, hier heute sehen, stammen überwiegend aus den Jahren 2009 bis 2012. Sie entstanden im wesentlichen nach Fotografien – aus privaten Fotoalben, aus Zeitungen & Zeitschriften sowie aus dem uferlosen Internet.
Nachdem ich jahrelang zeichnete nach der Natur, figürlich malte, abstrakt malte, collagierte, kleine Objekte anfertigte, fotografierte & wieder nach der Natur zeichnete & malte, überlegte ich mir eines Tages ein völlig neues Konzept:
Ein Mensch im Raum.
Dieses Thema entstand während meiner Arbeit mit Studenten an der Hochschule, insbesondere beim Aktzeichnen. In der Regel werden ja Akte auf einem weißen Blatt gezeichnet. Selten sieht man den Raum oder eine Verbindung zum Raum oder dem Umfeld. Der Fokus liegt ja auf der menschlichen Figur. Aber mir ist & war in meiner Lehre diese Verbindung des Menschen zum Raum sehr wichtig. Egal, ob er hässlich, scheinbar unwichtig oder langweilig ist. Wir alle bewegen uns in Räumen.
Offenbar ein einfaches Thema.
Figürliche Malerei, figürliche Zeichnungen, Aquarelle. Porträts, Menschen, einzeln oder in Gruppen, Menschen in Räumen oder im Freien, in der Stadt, in der Natur.
Ich zeichnete & malte also nach Fotografien, variierte einzelne Bilder in unterschiedlichen Techniken, ohne wissen zu wollen, wohin die Reise geht. Das Malen nach einem Foto erlaubt es mir, ohne Umschweife & Überlegungen loszulegen. Klar war lediglich, dass die Fotografie Ausgangsbasis & Anlass für das Bild ist. Der Prozess führte mich mich über die Malerei weg vom Foto. Ich wollte weder etwas dazudichten noch Geschichten erzählen. Das ein oder andere weglassen oder reduzieren. Das Ergebnis sollte bestenfalls nur noch formal an das Foto erinnern.
Meine Figuren scheinen sich oft aufzulösen, sie verschwimmen mit dem Hintergrund oder sind nur noch als weiße Schemen wahrzunehmen. Möglicherweise verschwinden sie gerade oder sie beginnen zu materialisieren, Gestalt oder Form anzunehmen. Sie befinden sich in einem nicht eindeutigen Schwebezustand. Vielleicht ist es die Beobachtung eines Prozesses der Veränderung & gleichzeitig ein Versuch über die Unmöglichkeit, den Augenblick einfangen oder festhalten zu können.
Vielleicht auch der Versuch, diesen Moment ins Unendliche Auszudehnen.
Versuche. Immer wieder Versuche. Keine Behauptungen. Eher vorsichtige Fragen. Fragen an das Bild. Fragen zum Beispiel nach unserer Verortung?
Fragen an das Bild. Ja – auch ich stelle Fragen an meine Bilder!
Ähnlichkeit mit den porträtierten Vorlagen spielt kein keine Rolle. Im Gegenteil: Es ist die räumliche Situation oder auch die Art & Weise, wie Menschen vor der
Kamera posieren, sich inszenieren. Die Zufälligkeit eines Schnappschusses. Das Zusammenspiel von Figur & Raum.
Ich habe nichts gegen verzerrte Gesichtszüge, Fratzen oder Masken. Ich malträtiere oder liebkose meine Protagonisten. Verfremdungen scheinen den Blick auf das wahre Gesicht zu verstellen – mir scheint es aber manchmal, als legte ich überdeutlich eine verborgene Seite offen.
Das Undeutliche so deutlich wie möglich.
Aber auch in diesem Fall meine ich nicht die Person auf dem Foto – ich suche eine für mich allgemein gültige Form oder Aussage.
Die Wahl der Technik ist entscheidend für das Ergebnis. Manche Bilder werden in unterschiedlichen Variationen ausgelotet. Es scheint mir, als würde ich mich in Kreisen um einen Kern bewegen, aber dieser Kern bleibt unscharf. Dieser Kern hat mit mir zu tun, mit meinem Wesen. Aber auch mit Fragen an die Welt, die ich nur in Form von Bildern formulieren kann. Aber das Wesentliche dieses Kerns bleibt wie hinter einem Schleier verborgen.
Die Antworten dieser Fragen liegen im Bild. Es sind keine eindeutigen Antworten, sondern eher fühlbare Aussagen, die sich über das was zu sehen ist & wie es gemacht, ist dem Betrachter mitteilen können.
Mit jedem Bild, mit jeder Zeichnung, wird mir meine diffuse Vorstellung von dem, was mich treibt, greifbarer. Auch, wenn sie vermutlich unscharf bleiben wird. Aber so habe ich immer wieder Grund, zu fragen. In Form von Malen & Zeichnen.
Was bleibt, sowohl für mich als auch für den Betrachter, ist ein letzter Rest Unsicherheit. Etwas, was die Bilder & die Protagonisten der Bilder – so hoffe ich – rätselhaft erscheinen lässt. Rätselhaft & nicht von dieser Welt. So, wie ich mich manchmal fühle. Fremd, ein Fremdkörper, in der Welt. Jeder Betrachter hat andere Fragen an die Welt & das Bild. Diese Fragen kann ich als Künstler nicht beantworten.
So unterschiedlich die Fragen der Betrachter sind, so unterschiedlich werden die Antworten ausfallen, die das Bild geben kann.
Sie müssen nur bereit sein, hinzusehen & zu hören.






























































