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Die Ratlosigkeit der Schuhe

Buchstaben auf schwarzem Grund vor einer Installation von Martin Kippenberger im ZKM in Karlsruhe, wo ich zuvor in Sachen Kunst Frau Blaumann traf …
Über Fotografie

Das Foto entstand heute Nachmittag während eines Spaziergangs mit meiner Nikon D60.
Vor sehr langer Zeit, vor Ewigkeiten, fast wäre ich geneigt zu sagen: vor meiner Zeit – erfüllte ich mir einen großen Wunsch:
Von meinem ersten Sold während des sog. Zivildienstes erwarb ich eine Spiegelreflexkamera. Eine XGM von Minolta. Dazu – nach & nach – diverse Wechselobjektive für diverse Zwecke.
Im meinem Jugendzimmer unter dem Dache des elterlichen Hauses richtete ich mir eine Dunkelkammer ein, wo ich des Nachts Filme entwickelte & Bilder vergrößerte.
Jugendzimmer.
Das waren Teppichboden, Bett, Kleiderschrank, Schrankwand mit integriertem Schreibtisch. Gelb. Schwarz. Laminat.
Und Staub. Jede Menge Staub. Staub bist Du & zu Staub wirst Du. Staub ist der Feind des Fotografen. Staub ist der Feind in der Dunkelkammer. Staub auf dem Objektiv, Staub auf dem Film, Staub auf dem Schlitten im Vergrößerer, Staub auf dem Fotopapier. Staub überall. StaubStaubStaub.
Aber das Bad war um die Ecke. Für die Chemikalien. Für das Fixieren & das Wässern. Für das Wasser lassen.
Fotoarbeit in staubiger Atmosphäre macht nämlich durstig.
Schwarzweiß-Filme. Schwarzweiß-Abzüge. Papiere. Ich vernichtete Unmengen von Material.
Berge von Abzügen: Landschaften, Menschen, Stillleben. Zum Beispiel war ich ein großer Fan der Pseudo-Solarisation.
Einmal – während des Studiums – hielt ich ein Referat über die „Subjektive Fotografie” von Otto Steinert.
Danach warf ich, bis auf ein oder zwei Fotos – alle Berge von Abzügen in die Tonne, verkaufte meinen Vergrößerer & den ganzen Rest an meine Kommilitonin Rita & widmete mich von da an nur noch der Zeichnung & der Malerei. Die Minolta behielt ich, bis sie ihren Geist aushauchte.
Mittlerweile knipse ich seit einigen Jahren wieder. Digital.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Schimmer
Blaue Stunde
15:56:38 Uhr. Wickersberg. Strömender Regen. Blickrichtung ungefähr nach Süden.
16:03:45 Uhr. Immer noch Wickersberg. Immer noch strömender Regen. Süden.
16:07:35 Uhr. Immer noch Wickersberg. Immer noch strömender Regen. Süden.
Sozusagen blaue Stunde.
Schlechter Abgang für ein altes Jahr, aber er dürfte auch nicht anders sein – was mich betrifft. Kein Applaus für 2009.
Alles Gute für 2010!
Die Lage wird ernst
09:19:49 Uhr. Blick aus dem Wohnzimmerfenster (Ostsüdliche Richtung).
Der dicke Nachbar zeichnete beim Wenden mit dem dicken SUV ein Doppelherz in den frischen Schnee vor den Eingang des Friedhofes.
08:21:24 Uhr. Blick aus dem Küchenfenster (Richtung Osten – Ormesberg).
08:22:49 Uhr. Blick aus dem Küchenfenster (nordöstliche Richtung) in den Garten des katholischen Kindergartens.
Jump!
Wickersberger Sprungperformance, 15. November 2009, ca. 17:10 Uhr.
(Die Blickrichtung der Performer während der Aktion war – soweit möglich – streng nach Osten ausgerichtet!)
Wdh.
Heute Morgen. 09:31:53 Uhr. Blick aus dem Küchenfenster (nordöstliche Richtung) in den Garten des katholischen Kindergartens
Heute Morgen. 10:10:48 Uhr. Blick aus dem Küchenfenster (nordöstliche Richtung) in den Garten des katholischen Kindergartens
… gelber Schatten unterm Ahornbaum.
Heute Abend. 17:57:22 Uhr. Blick aus dem Küchenfenster (nordöstliche Richtung) in den Garten des katholischen Kindergartens
Sentiers Rouges
„Das Projekt Sentiers Rouges wurde 2003 vom lokalen Initiativ- und Managementzentrum ins Leben gerufen. Das Ziel bestand in der Förderung des sozio-kulturellen Austauschs in den zwölf Gemeinden der südlichen Region Luxemburgs. Das Projekt kann als eine Art Versuchslabor angesehen werden, das sich für eine Region einsetzt & dabei die Kunst nutzt, um unser kulturelles Erbe kritisch zu betrachten. Seither organisiert Sentiers Rouges jedes Jahr einen Arbeitsaufenthalt, während dem unter anderem Künstler aus der Großregion zusammenkommen, um sich dem gleichen Thema zu widmen.
Das Saarländische Künstlerhaus als Partnerorganisation von Sentiers Rouges hat für das Jahr 2009 den Saarbrücker Künstler Ludwig Schmidtpeter vorgeschlagen.
Ausgangspunkt für seine Arbeit mit dem Titel „Drive by shooting” hier in Esch war Ludwig Schmidtpeters Arbeit „Krypta”, die er selbst als „Dokumentation einer spekulativen medien-archäologischen Untersuchung” bezeichnet.
In „Krypta” geht Ludwig Schmidtpeter der Frage nach, welcher Art wohl heute Grabbeigaben beschaffen seien – sofern es sie in unserer heutigen, vollständig säkularisierten Welt noch gäbe – wie sähen diese Gegenstände aus?
Nach einem Telefonat mit Ludwig gab ich in das Google-Suchfeld meines Browsers spontan die drei Worte „Grab Sarg iPod” ein.
„Aus den Vereinigten Staaten kommt ein neuer Trend. Besonders in Hollywood ist es sehr beliebt, Verstorbene mit ihren technischen Lieblingsstücken wie Mobiltelefonen zu begraben. Das berichtet das Bestattungsunternehmen „Hollywood Forever“. Auch Game Boys und iPods seien sehr beliebt, insbesondere bei jungen Leuten […].”
Letzten Samstag wurden die einzelnen Projekte vorgestellt.
Ludwig Schmidtpeter: „Drive by shooting”
Jonathan Loppins Arbeit „L’échappée”
Yoann van Parys stellt das Buch „Récit d’un voyage au Luxembourg” vor.
Boris Thiébauts „Ecole de la forêt”
Von den „Vogelkäfigen” der Luxemburger Künstlerin Tessy Bauer habe ich leider keine Fotos …
(Infos zu Sentiers Rouges 2008)
Malertag
Jemand beneidete mich um meine Freiheit & die Tatsache, dass ich mich seit Jahren selbst verwirkliche. Was mich dazu veranlasste, kürzlich willkürlich einen Tagesablauf aus dem Leben eines Malers festzuhalten.
Gegen 6:30 Uhr: Aufstehen. Ohne weitere Umstände in die Küche. Radio. Kaffee mahlen. Frühstückstisch decken. Zwei Gedecke für die zwei Kinder. Während die Kinder gemächlich & wortlos in die Küche wanken, trinke ich die erste Tasse Kaffee mit Milch & organisiere die Zutaten für die Zubereitung der Pausenbrote. Für die Kinder. Für die Geliebte & Ehefrau (die sich in der Zwischenzeit im Bad hübsch & fein macht für den Dienst).
Spülmaschine ausräumen & die eingetrockneten Reste der Bratkartoffeln von gestern aus der Pfanne kratzen. Fluchen. Außerdem stehen da noch die Weingläser von Samstag an der Spüle rum. Verschimmelte Karotten in den Mülleimer.
Pausenbrote & -getränke in die diversen Behältnisse packen (muss man in aller Regel täglich aufs Neue suchen), Tisch abräumen, die zweite Tasse Kaffee trinken & die Familie verabschieden. Kinder in die Schule, die Geliebte & Ehefrau ins Büro.
Nach einer turbulenten Stunde: Aufatmen.
Wäsche sortieren. Wäsche in die Maschine. Die Maschine steht im Keller (den müsste auch mal wieder jemand aufräumen).
In der darauffolgenden Stunde sitze ich am Rechner, schreibe erfreulicherweise eine Rechnung, beantworte Mails, trinke die dritte Tasse Milchkaffee & verziehe mich anschließend mit der vierten Tasse unters Dach, um mich der Malerei zu widmen. Vorher muss ich allerdings zuerst noch Leinwände grundieren.
Ein altes Bild mit viel Weiß übermalen, ein noch älteres Bild abschleifen & mit Weiß übermalen. Noch nichts gemalt. Aber über Malerei nachgedacht.
Radio hören & versuchen, den bevorstehenden Umzug aus dem Kopf zu bannen. Allerdings macht mir der Gedanke doch ein wenig Angst & ich probiere, die Tür zum Atelier, die ich in den letzten 10 Jahren mit Farbe & Telefonnotizen zugeschmiert habe, abzuschleifen. Schleifpapier & Schleifklotz hatte ich ja praktischerweise in der Hand. Ich hoffe, der Vermieter ist nicht allzu sauer wegen der Sauereien aus den letzten 10 Jahren.
Francis Bacon ist nichts dagegen.
Scheint allerdings doch ganz gut zu klappen (war ja auch nicht grundiert). Den Rest Schleifarbeit verschiebe ich.
Zwischendurch ein längeres Telefonat mit dem Lieblingsfreund, der eine Ausstellung in Berlin vorbereitet & mir sein Konzept erläutert. Über dessen Vor- & Nachteile wir lange diskutieren.
Eine Papierarbeit begonnen. Titel: Ohne Titel („Patronin“).
Um 13:30 Uhr Pinsel ins Terpentin gestellt – U. ruft an & fragt, ob ich Freitagvormittag Zeit habe, um über die Mappe des Neffen zu gucken. Der will nämlich an die Hochschule & Design oder Kunst studieren. Wollen beide hier vorbeikommen. „Wir bringen Brötchen & Croissants mit.“ Warum nicht. Ich habe ja Zeit.
Auf dem Weg zum Auto wegen zweier Termine in der Stadt (jour fixe im Künstlerhaus, wo ich als Mitglied des Vorstandes ehrenamtlich mitarbeite & dann an die Uni wegen eines „Auftrags“) noch eine Zwischenstation im Keller.
Waschmaschine ausräumen, Wäsche an die Leine (der Trockner ist seit einem Jahr kaputt, steht fast sinnlos neben der Waschmaschine. Ist aber eine prima Ablagefläche für den Hausmeister), bunte Wäsche in die Maschine.
14:20 Uhr: Ich fahre nach Saarbrücken, um die Kinder aus der Schule abzuholen. Der Sohn will zu Freund L., um dort Hausaufgaben zu machen. Außerdem ist er zum Mittagessen eingeladen. Die Tochter hat Orchesterprobe & geht anschließend zur Tante.
Das ist sehr praktisch, da ich mich heute Mittag mal nicht um Mathe, Englisch & Franz kümmern & auch keinen Imbiss zubereiten muss.
Also doch malen.
(Nur noch schnell die Nachbarstochter nach Hause fahren)
Im Atelier unterm Dach wieder in die Dienstkleidung. An der Papierarbeit weiterarbeiten. Titel: Ohne Titel („Patronin“).
Weil noch ein wenig Zeit ist, eine Arbeit auf Leinwand begonnen (älteres Bild, abgeschliffen & mit Weiß übermalt). Die Idee dazu hatte ich schon letzte Woche.
Klappt heute wie geschmiert, aber …
Um 16:30 Uhr für zweieinviertel Stunden nach Kleinblittersdorf, wo ich den Malkurs einer kranken Kollegin übernommen habe. Plus zwanzig Minuten Fahrtzeit. Jeweils. Hin & zurück.
Heute aquarellieren wir Bäume, Licht & Schatten. Leider war ich dabei zu lange in der Sonne.
Außerdem muss ich die Damen sehr trösten. Aquarell ist sehr schwer & das Laub in den Bäumen sehr grün. Man muss das Weiß aussparen.
Um halb acht nach Hause, die Geliebte & Ehefrau macht heute Sport. Die Kinder sind allerdings schon da (Es lebe die Verwandtschaft! Ein Hoch auf die Freunde & Nachbarn!). Hausaufgaben angeblich gemacht.
„Querflöte & Gitarre geübt?“
Heute italienische Küche: Tomaten, Mozzarella, Salat, Makkaroni, Tomatensoße (Natürlich alles bio & aus frischen Tomaten!).
Anschließend einen Vokabeltest (befriedigend) unterschrieben.
„Papa – kannst Du mir noch schnell bei der Zeichnung für den Grundriss der Wohnung für den Kunstunterricht helfen? Zwei Striche?“
Nach einer Stunde (ca. 21:30 Uhr) verziehen sich die Kinder müde & gelangweilt ins Bett.
Ich zeichne noch ein bisschen an der Perspektive weiter. Es sind doch mehr als zwei Striche.
Abräum-, Spül- & Gute-Nacht-Rituale. Anschließend die überquellende Mülltüte aus der Küche nach draußen in die Tonne & den gelben Sack vor die Tür.
Geliebte & Ehefrau trudelt ein.
23:00 Uhr. Ich schreibe diesen Blogeintrag.
Wo hab‘ ich noch mal schnell mein Buch hingelegt?
Appropriation Art
Heute angekommen: ein Päckchen mit Appropriation Art.
Hängt jetzt neben Bodo & Michael. Blaumann meint dazu: Crossover-Kunst.
Vielen Dank.
(In Echt ist das Leben meistens viel komplizierter)
Spaziergang
Blick von der L237 zwischen Mandelbachtal & Erlenhof Richtung Süden
… die überleben wollen
09:37 Uhr. Blick aus dem Wohnzimmerfenster (Richtung Osten – Ormesberg).
09:38 Uhr. Blick aus dem Wohnzimmerfenster (Richtung Ost-Südost). Sonne über Nachbars Häusern.
09:49 Uhr. Blick aus dem Wohnzimmerfenster (Richtung Süden). Bäume über dem Eingang zum Friedhof.
Dieses Licht. Diese Stimmung. An Soylent Green gedacht.














































































