armin rohr
Test: Wandmalerei

Ohne Titel, 2013
Acryl/Tusche auf Raufaser, ca. 250 x 330 cm
Momentan arbeite ich an einem Projekt: Wandmalerei in Kombination mit Bildern auf Aludibond & Zeichnungen. Abstrakte Arbeiten, wie man so sagt. Möglicherweise. Aber ich war ja nie ein abstrakter Maler. Mit der Wandmalerei knüpfe ich an Zeichnungen an, die in der Zeit von 1997 bis ca. 2001 entstanden sind. Eine Wand im Atelier wird das Testgebiet für den Ernstfall.
Vielleicht wird alles auch ganz anders.
Mann mit Hund
Spaziergänge sind Arbeit, Arbeit ist inspirierend.
Heute spazierte ich in der Gegend um den Tabaksweiher, wo ich diesen Mann mit dem Hund traf. Manchmal ist es tatsächlich so, wie Herr Picasso angeblich einst gesagt haben soll: „Ich suche nicht, ich finde.“ Aber bei mir ist das in aller Regel umgekehrt. Ich finde nicht, ich suche.
Ich suche, um etwas zu finden, was ich untersuche, um etwas herauszufinden.
Meistens finde ich dann etwas, aber es ist wie mit dem verdammten Higgs-Boson: Es durchzuckt mich wie ein Blitz & dann ist es wieder weg.
1999 (Hl. Edith Stein)
Armin Rohr
Porträt der Hl. Edith Stein, 2000
Acryl, Öl auf Leinwand, 95 x 95 cm
Armin Rohr
Ohne Titel („Herrlichkeit“), 2000
Acryl, Öl auf Leinwand, 240 x 85 cm
Installationsansicht in der Edith-Stein-Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde auf dem Campus der Saarbrücker Universität (Foto: Axel Fuhrmann)
Im Jahr 2000 fragte mich der damalige Hochschulpfarrer Jürgen Doetsch, ob ich mir vorstellen könnte, für die Kirche der Hl. Edith Stein der Katholischen Hochschulgemeinde in Saarbrücken eine Arbeit zu gestalten. Die Schwierigkeit des Jobs bestand darin, dass ich sowohl thematisch als auch formal völlig frei arbeiten durfte. Also keinerlei Vorgaben. Das bedeutete viele schlaflose Nächte.
Damals arbeitete ich überwiegend, wie man so schön sagt, abstrakt. Prozesse der Auflösung beziehungsweise der Formung von Körperlichkeit waren ein Thema. Transformation. Werden & vergehen. Und ich war der Beobachter & Chronist dieser Prozesse.
Und natürlich die Malerei, die Farbe.
Es mussten zwei gegensätzliche & sich gleichzeitig ergänzende Bilder sein. Sowohl formal als auch inhaltlich: eine abstrakte Arbeit & ein Porträt der Hl. Edith Stein.
Keine Illustration, kein Altarbild, keine Symmetrie, sondern zwei eigenständige Arbeiten, die in einem spannungsvollen Kontrast stehen. Im Hochformat der abstrakten Arbeit links verweisen die Farbigkeit & Reste von Körperlichkeit auf Licht & Transzendenz.
Im Portät der Hl. Edith Stein erzählen der Davidstern & das Kreuz über Herkunft & Geschichte der Nonne, die während des zweiten Weltkrieges ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 9. August 1942 von den Nazis in der Gaskammer ermordet wurde.
Versuche, Unsagbares, Unbeschreibliches in Bilder zu fassen.
Zwei Ereignisse mit Licht
25. April 21013, 18:48:28 Uhr. Museum Haus Ludwig, Saarlouis (Im Hintergrund eine Arbeiten der von mir sehr geschätzten Kollegin Andrea Neumann).
26. April 2013, 17:08:45, Saarbrücken Rodenhof.
„Im Wesentlichen bin ich mir fremd“ Teil 2
Ohne Titel, 2012
Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm
„Im Wesentlichen bin ich mir fremd“ – war der Titel einer Ausstellung im Stadtmuseum im Spital Crailsheim.
Weil der Titel so schön war & einige Bilder aus Crailsheim ab Freitag auch in der galerie Szalc in Bonn zu sehen sind, passt der Titel natürlich auch zu dieser Ausstellung.
Immer wenn ich in Bonn ausstelle, regnet es.
Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid. Ich will Euch erquicken!
Saarart
Zugegeben: Es klingt nicht ganz glücklich: Saar-Art.
Aber das Konzept von Kurator Andreas Bayer weist eine Neuheit auf: Aktuellen saarländische Künstlern & im Saarland lebenden Künstlern werden Arbeiten verstorbener Saarländer gegenüber gestellt. Im Museum Haus Ludwig in Saarlouis hänge ich mit Leslie Huppert u. a. neben Albert Weisgerber & Otto Weil.
Ohne Titel
Ohne Titel („Den Unbekannten“), 2013
Öl auf Leinwand, 50 x 50 cm
Vor langer Zeit – ich malte figürlich, wie man so sagt – gab ich meinen Bildern Titel wie: „Kopf” oder „Torso” oder „Selbstporträt”. Nicht immer sahen Köpfe wie Köpfe, Torsi wie Torsi oder Selbstporträts wie Selbstporträts aus. Damals.
Ich wollte die Bilder nicht mit Titeln überfrachten oder sie bedeutungsvoller machen, als sie waren.
Irgendwann lösten sich die Köpfe, Torsi & die Geschichten nach & nach auf. Es blieben die Farbe & die Struktur.
Die Titel waren entbehrlich geworden. Anscheinend. Das einzelne Bild war zwar wichtig, als Dokumentation eines Prozesses, aber es brauchte nicht unbedingt einen Namen. Ich malte von Bild zu Bild & machte mir keine Gedanken mehr um Titel.
Außerdem dachte ich mir: wenn in 3.700 Jahren bei Ausgrabungen mein Bilderlager entdeckt würde – was nützten dem geneigten Entdecker & Betrachter schon Titel? Die, davon ganz abgesehen, ja nirgends auf dem Bild zu sehen sind. Es kleben ja keine Etiketten an meinen Bildern.
Aber in Ausstellungen kann das zum Problem werden. Erstens braucht man ein griffiges Thema. Einen Slogan. Ein Ausstellungsbranding. Einfach nur „Malerei“ oder „Zeichnungen“ oder „Neue Malerei“ oder „Neue Zeichnungen“ ist zum Gähnen langweilig, auch wenn es den Kern der Sache sehr gut trifft.
Bildtitel sind eine Konvention, die vom Betrachter erbarmungslos eingefordert wird. Bildtitel wie „Landschaft mit rotem Baum“, sofern eine Landschaft mit rotem Baum abgebildet ist, sind aber meistens dämlich. Weil ja jeder die Landschaft mit rotem Baum erkennt.
Ich beschäftigte mich mit der Auflösung von Gegenständlichkeit, meine Bilder waren das Ergebnis einer Beobachteung der Auflösung. Vielleicht waren sie auch das Ergebnis eines Gestaltwerdens. Mir fielen Titel ein wie: „Selbstauflöser”, „Rot-Atmer”, „Selbstformer” oder „Grün-Euphorisch”. Später dann auch: „Am Ende des Schattentages” oder „Alltägliche Begrausamung”. Die Bilder befanden sich – für mich – in einem Zwischenstadium, ohne Anfang & ohne Ende. Farbbewegungen im Raum einer Endlosschleife. Die Titel sollten die Bilder weder beschreiben noch illustrieren.
Sie schufen eine eigene, weitere Ebene, eine eigene Realität in der Ausstellung. Was mir sehr gut gefiel. Manchmal hängte ich auch noch ein Blatt mit eigenen Gedanken, ähnlich Gedichten, zwischen die Bilder.
Manche Titel fielen mir in den Schoß. Andere hatte ich verzweifelt gesucht & andere irgendwo gefunden. Einige beschrieben die Arbeit, andere erzählten über sie. Wieder andere erzählten über ganz andere Dinge. Manche waren ganz & gar eigen- & selbstständig.
Ich führte ein Titelbuch. Schöne Zeilen aus Büchern oder Zeitschriften notierte ich mir. Oder auch selbst Erfundenes. Gehörtes. Gesprochenes. Unerhörtes. Gedachtes.
Irgendwann begann ich, die Titel in Klammern zu schreiben. Am Anfang & Ende jeweils mit „Gänsefüßchen”. Vor die Klammer schrieb ich: „Ohne Titel”.
Titel & Bilder in einer Ausstellung. Das sind zwei Ebenen, die der Besucher einer Ausstellung miteinander verknüpfen & Assoziationsräume eröffnen kann.
Besonders gelungene Titel benutzte ich öfter & für mehrere Bilder. Es kam auch mal vor, dass ich eine Arbeit verkaufte & irgendwann in einer folgenden Ausstellung kam ein sichtlich verwirrtes Ehepaar auf mich zu mit der Frage, wieso das von ihnen erworbene Bild, also der Titel … sie hätten ja auch ein Bild mit dem Titel … also warum jenes Bild mit dem gleichen Titel wie dem ihren in der Ausstellung hing.
Ich wies darauf hin, dass ich eigentlich nur Bilder & keine Titel verkaufte. Titel wie „Kopf“ oder „Torso“ werden ja auch seit langer Zeit von viele Künstlern verwendet, ohne dass dies zu urheberrechtlichen Kollissionen kommt.
Zwischendurch blitzte der Gedanke auf, den Titel zusätzlich zum Bild zu verkaufen. Das heißt, es gäbe einen Preis für das Bild plus einen Preis für den Titel. Würde ja aus geschäftlicher Sicht Sinn machen. Aber dann würden sich wahrscheinlich die Leute aus Kostengründen sowieso nur für das Bild entscheiden. Und den Titel heimlich verwenden!
Bisher habe ich auch noch keine Titel ohne das Bild verkauft (Manche Leute verdienen Geld mit dem Verkauf von Titeln). Aber das ist was anderes.
In den letzten Jahren veränderte sich die Malerei. Menschen & Räume. Irgendwie wurde alles einfacher. Malerei & Titel. Meine Protagonisten tragen plötzlich Namen wie „Line“, „Emilie“, „Hans“. Oder „L.“, „E.“, „H.“. Oder „Bergbild“, „Vier Poser mit Insekten“, „Gruppe vor Idyll“.
Trotzdem überlege ich mir regelmäßig neue Titel für meine Arbeiten.
Das mit den Klammern & den Gänsefüßchen habe ich bis heute beibehalten. So sind die Protagonisten in den Bildern nicht die, die sie sind. Oder scheinen sie irgendwie zu sein. Was man am Namen erkennen kann, aber nicht unbedingt am Bild.
Titel sind nicht immer Schall & Rauch.
Coming out
Suchbild: Meine Arbeit bei den Anonymen Zeichnern
(Foto: Jochen Wermann für Anonyme Zeichner)
Zum zweiten Mal nach 2009 bin ich mit einem Blatt bei den Anonymen Zeichnern dabei. Die Ausstellung im Kunstverein Tiergarten in Berlin ist noch zu sehen bis zum 20. April 2013.
Hier geht’s zur
Ausstellungsübersicht.
Außerdem kann man noch Zeichnungen kaufen! Und einen Katalog! Für kleines Geld!
Leute, kauft Kunst!
Kommt alle, die Ihr mühselig & beladen seid. Ich will Euch erquicken!
„Raum für gefallene Engel“
Ohne Titel („Raum für gefallene Engel“), 2005
Öl auf geschnittenem Aluminium
5 Teile, gesamt ca. 215 x 275 cm
Privatbesitz
Ohne Titel („Raum für gefallene Engel – Fallender Engel“), 2005
Öl auf geschnittenem Aluminium
ca. 40 x 100 cm
Privatbesitz
Der „Raum für gefallene Engel“ ist eine Arbeit aus 2005. Ursprünglich war eine Wandmalerei angedacht, ähnlich wie die in der Albert-Wagner-Schwimmhalle von 2003. Aber die schlechte Qualität des Untergrundes brachte mich auf eine andere Idee: Unregelmäßig geschnittene & bemalte Teile aus Aluminium. Und so gelangte ich witzigerweise wieder zu meinen Puzzles aus Paris.































































