Ohne Titel, 2020
Bleistift, Filzstift auf Briefpapier, 29,7 x 21 cm

 

Zur Zeit schreibe & zeichne ich Briefe & Postkarten. Grüße an Menschen, die ich nun länger nicht mehr gesehen habe & denen auf einem anderem Wege als über das Internet Lebenszeichen übermitteln möchte. Ich sitze zu Hause oder im Atelier & kritzle & schreibe. Ich vergesse die Zeit. Befinde mich während vielerlei Tätigkeiten, vorwiegend des Kritzelns, Schreibens & Malens in einem „leck-mich-doch-am-Arsch-Modus“ – Klammer auf: Ich klammere – hihihi – dann sogar das existenziell finanzielle Problem, was mit zunehmender Dauer des Ausnahmezustandes unweigerlich kommt, einfach aus. Es ist außerhalb meines Horizontes. Außerhalb meiner Wahrnehmung. Scheißegal. Lasse mich treiben von meinen Befindlichkeiten & Interessen. Sämtliche Tätigkeiten, mit denen ich in aller Regel den Grundbedarf an Geld verdiene, nämlich Lehraufträge, Zeichenkurse usw. sind gestrichen, ausgesetzt oder verschoben. Bilder kauft zur Zeit niemand, Ausstellungen sind geschlossen. Klammer zu (noch.)

Nichts ist positiv am Arschloch Corona. Fast nichts.

Aber dieses verlangsamte Leben, die Ausdehnung des Zustandes wie ich ihn oft „zwischen den Jahren“ empfinde, nämlich der Zeitraum nach den Weihnachtsfeiertagen bis Silvester, so surreal & manchmal beklemmend er ist – er verändert die Wahrnehmung, verschiebt & verändert gewohnte Parameter.

Außerdem gehe ich mittlerweile fast täglich mit meiner Frau spazieren. Oder wir fahren Fahrrad. Beim dem Versuch, all zu viele Begegnungen zu vermeiden, gehen & fahren wir durch Straßen & Wege, durch wir vorher in dieser Stadt noch nie gegangen sind.

Das alles empfinde ich – was meine Arbeit, mein Leben, betrifft – als eine positive Erfahrung.